Freitag, 31. oktober 2008 5 31 /10 /2008 22:44

Atlantropa ist die Bezeichnung eines monumentalen Staudamm-Projektes in der Straße von Gibraltar und bei den Dardanellen, welches der deutsche Architekt und Geopolitiker Herman Sörgel ab 1928 bis zu seinem Tod im Jahre 1952 geplant und bekannt gemacht hat.

Übersichtskarte

Konzeption

Das Konzept basierte auf der Beobachtung, dass ständig Wasser aus dem Atlantik und dem Schwarzen Meer in das Mittelmeer strömt, da dort mehr Wasser verdunstet als seine Zuflüsse ausgleichen. Durch einen Staudammbau sollte dieser Zufluss einerseits verringert werden, um zur Neulandgewinnung den Meeresspiegel abzusenken, und andererseits sollte der Restzufluss zur Stromerzeugung mittels Wasserkraft genutzt werden.

Anfang der 1920er Jahre begann Herman Sörgel zusammen mit dem Schweizer Ingenieur Bruno Siegwart die Planung des Staudamms Atlantropa an der Meerenge von Gibraltar. Man hatte sich in den Planungen nicht für die schmalste Stelle entschieden, sondern circa 30 Kilometer westlicher. Nach Sörgels Aufzeichnungen sollte allein das Fundament 2,5 Kilometer breit und bis zu 300 Meter hoch sein. Die Bauzeit wurde mit zehn Jahren veranschlagt. In vier Schichten sollten je 200.000 Arbeiter eingesetzt werden. Ungeklärt blieben die logistischen Probleme bei der Baumaterialbeschaffung und dem Arbeitertransport. Vermutlich hätte auch der Zementbedarf den Weltmarkt vor kaum lösbare Aufgaben gestellt.

Gestaltung

Der Name des Projektes steht gleichzeitig auch für das visionäre Ziel des Projektes, einen durchgängigen Kontinent, gebildet aus dem heutigen Europa und Afrika, verbunden über ein weitgehend trockengelegtes Mittelmeer. Sörgel plante zwei Absenkungsgebiete ein. So sollte eine Landbrücke Sizilien, das heutige Italien und Nordafrika, genauer Tunesien miteinander verbinden. Damit sollte eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen Berlin, Rom und Kapstadt ermöglicht werden.

Im dergestalt zweigeteilten Mittelmeer hätte in der Endausbaustufe der Wasserstand im westlichen Teil um bis zu 100 Meter abgesenkt werden sollen, im östlichen Teil um 200 Meter. Die Wasserfläche des Mittelmeeres wäre um 20 Prozent geschrumpft und 500.000 km² Neuland wären gewonnen worden; eine Fläche in der Größe von Frankreich und Belgien zusammen.

Auch an die Touristenattraktion Venedig hatte Herman Sörgel in seinem sorgfältig ausgearbeiteten Projekt gedacht: Die gesamte venezianische Lagune sollte durch einen Staudamm und einen künstlichen See vor dem Austrocknen bewahrt bleiben. Der südtiroler Architekt Kuno Krissler hatte hierfür erste Entwürfe erstellt. Venedig würde dann circa 500 Kilometer von der Küste völlig isoliert sein.

Ziele

Das Projekt sollte mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Es sollte wertvolles Neuland gewinnen, Lebensraum und Arbeitsplätze schaffen und elektrische Energie für ganz Europa liefern. Nicht zuletzt sollte durch dieses kolonisatorische, über mehrere Generationen laufende Großprojekt die Schaffenskräfte der europäischen Völker positiv gebündelt und dadurch neuerliche kriegerische Auseinandersetzungen in Europa vermieden werden. 1940 wurde nach langer Planung der Verein „Atlantropa-Institut“ gegründet, welcher auch nach dem Tod von Sörgel noch bis 1960 betrieben wurde und versuchte, Geld für die Realisierung des Projektes aufzutreiben.

Das Aus für seine Vision wurde durch die neu aufgekommene zivile Nutzung der Kernenergie eingeleitet, denn Kernreaktoren besitzen den Vorteil einer wesentlich größeren Dezentralität in der Energieerzeugung und beeinflussen die Umwelt nicht in dem immensen Maß, wie es das Atlantropa-Projekt getan hätte.

Atlantropa in der Diskussion

Vom derzeitigen Forschungsstand aus betrachtet, erkennt man heute in dem Großprojekt neben seinem Nutzeffekt zunehmend mehr Schwierigkeiten und Gefahren:

Vorteile

Die Vorteile des Projekts wären hauptsächlich geopolitischer Natur gewesen, besonders hervorzuheben ist die Unabhängigkeit der europäischen Energieversorgung von Ölkonzernen mit Monopolcharakter, die konkrete Möglichkeit des Verzichts auf den Bau von Braunkohlekraftwerken zur Erzeugung elektrischen Stroms in Europa. Hinzugekommen wäre die wirtschaftliche Integration und ein industrieller Aufbau von Nordafrika.

Nachteile

Geologisch betrachtet wäre der Damm neben den Gefahren der Plattentektonik einer erhöhten Gefährdung durch Tsunamis ausgesetzt gewesen. Eine Auswirkung der immensen Druckveränderung auf die vulkanisch und seismisch aktiven Zonen etwa in Italien, Griechenland oder der Türkei ist kaum abschätzbar. Durch die Versteppung der Randzonen des Mittelmeers hätten sich die Niederschläge in Nordafrika verringert und damit auch die Ernteerträge. Sicherheitspolitisch in Betracht zu ziehen ist außerdem eine große Verwundbarkeit für Terroranschläge, Unfälle und eine übermäßige Abhängigkeit durch einen einzigen Staudamm - die aber nicht größer wären als zum Beispiel beim ägyptischen Assuan-Staudamm.

Zusätzlich wären schwere ökologische Folgen (Vernichtung des Lebensraumes tausender Arten) zu erwarten, insbesondere durch den ansteigenden Salzgehalt des Restmeeres. Zudem dürfte der Einfluss auf das Klima in der Mittelmeerregion nur äußerst schwer abzuschätzen sein.

Leichter bestimmt sich dagegen die Veränderung des Weltmeeresspiegels. Eine Absenkung des Mittelmeeres um mehr als hundert Meter zöge, da dieses knapp den hundertsten Teil der Fläche aller Weltmeere einnimmt, einen globalen Pegelanstieg von circa einem Meter nach sich.

Auch die politischen Folgen wären nicht absehbar gewesen, da sich die Grenzen aller Mittelmeeranrainer verschoben hätten.

Nicht zu vergessen wären auch die Auswirkungen auf den internationalen Warenhandel durch Schiffsverkehr, da dieser durch eine Vielzahl von Schleusen, etc. massiv beschränkt und beeinträchtigt worden wäre.




von Zeus - veröffentlicht in: Atlantropa - Einführung - Community: Das vergessene Europa
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Freitag, 31. oktober 2008 5 31 /10 /2008 23:03

Herman Sörgel  war ein deutscher Architekt des Expressionismus (Bauhaus) und Kulturphilosoph, der sich mit Raumtheorie und geopolitischen Fragestellungen beschäftigte.

Herman Sörgel

Sörgel stammte aus einer technisch hochbegabten Familie. Sein Vater war ein Pionier auf dem Gebiet des Baues von wasserbetriebenen Elektrizitätskraftwerken in Bayern.

Herman Sörgel wurde durch ein monumentales Staudamm-Projekt „Atlantropa“ für die Straße von Gibraltar bekannt, welches er ab 1928 bearbeitete und 1932 in einem Buch mit gleichlautendem Titel vorstellte. Sörgel vertrat die geopolitisch gestützte Ansicht, dass sich in Zukunft drei wirtschaftspolitische Machtblöcke bilden würden: Amerika, Europa und Asien. Afrika werde aufgrund seiner zivilisatorischen Rückständigkeit technologisch abgekoppelt und nur als Rohstofflieferant von Bedeutung sein - es sei denn, Europa ginge nachhaltige Bindungen mit Afrika ein. Ebenso erkannte er, dass Kohle und Erdöl in absehbarer Zeit aufgrund der Verknappung fossiler Ressourcen immer teurer würden. Als möglichen Ausweg propagierte er eine Verwertung des riesigen Energiepotentials von Wasserkraft im Mittelmeer durch einen Staudamm. Durch die teilweise Trockenlegung des Mittelmeers sollte wertvolles Neuland gewonnen werden. Die in mühevoller Kleinarbeit, über Generationen geleistete Neulandgewinnung der Holländer an der Nordsee sollte nunmehr im großen Stil im Mittelmeerraum wiederholt werden; im Endstadium sollte aus Europa und Afrika der neue Kontinent "Atlantropa" entstehen. Sörgel war ein überzeugter Pazifist, der die Schaffenskraft der europäischen Völker in das kolonisatorische Mega-Projekt "Atlantropa" bündeln wollte. Das gescheiterte politische Ziel Napoleons I., durch großangelegte gesamteuropäische Kolonisationsprojekte - vor allem in Osteuropa - die europäischen Nationen zu einer kriegsfreien Europäischen Union zusammenzuschweißen, sollte durch "Atlantropa" Wirklichkeit werden.

Herman Sörgel war als Regierungsbaumeister tätig und lebte vermutlich zeitlebens im Raum München. Er starb 1952 an den Folgen eines Fahrradunfalls, bei dem er auf dem Weg zu einem Vortrag in der Münchner Prinzregentenstraße von einem Auto angefahren wurde. Nach seinem Tod wurde das Projekt "Atlantropa" nicht weiter verfolgt und aufgrund der potentiellen Gefahren und absehbar negativen Folgen ad acta gelegt. Spätere geopolitische Arbeiten Sörgels (Projekt Kongo/Tschadsee als Ergänzung zu Atlantropa) sind, ebenso wie die Archive des von ihm gegründeten und 1960 geschlossenen Atlantropa-Instituts, möglicherweise verlorengegangen.
von Zeus - veröffentlicht in: Der Architekt - Herman Sörgel - Community: Das vergessene Europa
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Montag, 3. november 2008 1 03 /11 /2008 00:10
Das Atlantropa-Projekt

ist die komplexeste aller bislang bekannt gewordenen Bauutopien und zugleich ein Paradebeispiel der europäischen Technik- und Planungsgeschichte aus der Hochblüte der Moderne. Sein Architekt Herman Sörgel (1885-1952), ein selbsternannter “Weltbaumeister” der “mit Meeren und mit Erdteilen umgeht, als wären es Teiche und Sandhaufen.”

Hermann Sörgel

 • Herman Sörgel wurde am 2. April 1885 in Regensburg geboren.

• 1904 hat er sich an der Technischen Hochschule in München für das Fach Architektur einschreiben lassen.

• Nach der Diplomprüfung im Jahr 1908 Eintritt in die öffentliche Verwaltung.

• Bald nach dem Studium (1908) verfasste er als Doktorarbeit eine Ästhetiklehre der Architektur, die an der TU München abgelehnt wurde.

• Die 1913 nachgereichte Abhandlung über konkave Räume in der Architektur wurde genauso als Doktorarbeit abgelehnt.

• Im Jahre 1918 erschien die zuerst abgelehnte Arbeit als Buch (Architektur-Ästhetik).

• Um 1910 folgte ein Aufenthalt im staatlichen Baubüro des gerade begonnenen Deutschen Museums in München.

• 1911 wurde er Hauptlehrer an der Meisterschule für Bauhandwerker in Bamberg.

• Im Laufe des Jahres 1914 verließ Herman Sörgel die Lehrstelle in Bamberg.

• 1914 zog er nach München, um als Architekt, Architekturpublizist und freier Journalist tätig zu sein.

• Im Januar 1925 gelang Herman Sörgel die Gründung seiner eigenen Zeitschrift (Baukunst), die monatlich erschien.

• Am 25. September 1925 fing er von Berlin aus seine Amerikareise an.

• Im Maiheft des Jahres 1926 meldet eine Hausmitteilung eine nicht näher bezeichnete Krankheit Sörgels; er sei “auf Grund ärztlicher Beratung zur Zeit außer Stande die Schriftleitung der Baukunst weiterzuführen.”

• Er hat im Jahre 1926 Irene von Villyani, eine aus Ungarn stammende Übersetzerin, geheiratet.

• Im Herbst 1927 begann er das Mittelmeerprojekt Atlantropa zu entwickeln.

• Bis zu seinem Tod 1952 wollte er dann nur noch er sein, nämlich Propagandist seines Atlantropa-Projekts.

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Montag, 3. november 2008 1 03 /11 /2008 00:25

Herman Sörgel war einer von den letzten, 

der versucht hat, Architektur als Kunst im Ganzen zu verstehen. Sein Buch „Architektur Ästhetik“, das Architektur in ihrer Gesamtheit verstehen und erklären will, ist eine hervorragende Quelle. Denn hier geht es um die Grundlagen der Ästhetik, jeder Form des Bauens und des Gebäudes, auch wenn Sörgels Theorie und damit in Teilen auch diese Arbeit zu kurz greifen, da eine so umfassende Theorie nur auf Kosten der Aussagekraft und Anwendbarkeit gehen kann. Sörgels Ansatz ist auch nach über 80 Jahren überraschend aktuell, auch wenn die Sprache ein wenig verstaubt anmutet:

"Wie alle Kunst, ist auch die Architektur Menschenwerk, das Erzeugnis menschlicher Kraft, und wer das Kunstwerk nicht in der Sprache liest, in welcher es geschrieben ist, weicht seiner eigentlichen Eigenart aus. " 

So geht Sörgel auch davon aus, dass jede Disziplin ein eigenes Medium darstellt, dass erst durch die Verwendung seiner ihm eigenen Eigenschaften zur Kunst wird. Sörgels Betrachtungen über das Wesen der Architektur sind auch sehr wichtig. 
"Die Architektur ist also von ihren ersten Ursprüngen bis zu ihren erhabensten Schöpfungen, zu allen Zeiten und an allen Orten zum mindesten eine Beziehung zum Raummäßigen"

Sörgel trennt die Architektur von jenen Künsten, mit denen sie ihre wichtigsten Eigenschaften teilt: der Bildhauerei und der Malerei. Der Bildhauerei widmet sich Sörgel ganz besonders, da diese mit der Architektur den Raum als Material teilt. 
"Wie ferner schon erwähnt wurde, entstehen Werke der Baukunst immer durch Addition [...] und Werke der Plastik durch Subtraktion [...]. Beim Entstehen der Architektur dagegen ist vorerst nichts vorhanden als ein Platz und auf ihm werden nun, wie bei einem Zusammenspiel die einzelnen Bauglieder aufgerichtet, zusammengesetzt. "

Der konstruktive Akt der Produktion von Gebäuden ist für Sörgel einer der Schlüssel zum Verständnis der Ästhetik der Architektur. Statik war immer ein wichtiges Element der Architektur, das nicht nur notwendig war, um das Gebäude überhaupt errichten zu können, sondern das immer auch die Form, die Ästhetik und den Diskurs um die Ästhetik der Architektur mitgeprägt hat, wie man z.B. an der Entwicklung im mittelalterlichen Sakralbau nachvollziehen kann. Entscheidend für das Verständnis von Architektur sind aber der Konstruktionsakt und die damit verbundenen Notwendigkeiten.

von Zeus - veröffentlicht in: Die Philosophie von Hermann Sörgel - Community: Das vergessene Europa
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Dienstag, 4. november 2008 2 04 /11 /2008 13:43
Als praktischer Architekt hinterließ er kaum Spuren,
Bauten von ihm sind nur wenige bekannt, Schriften dafür umso mehr. 
Einige seiner Werke sind: 

• Entwurf für das Kraftwerk Aufkirchen an der Isar, erste Hälfte der 20er Jahre

• Typenentwurf für Zweifamiliendoppelhäuser mit Richard Wolf um 1920

• Typenentwurf für Stockwerkwohnungen mit Flachdach um 1920

• Wohnhaus im Herzpark München 1923

• „Straße der Republik“ für München zwischen Hauptbahnhof, Odeonsplatz und dem Vorort Milbertshofen. Vorschlag von 1918

• Projekt einer Schule für Tanz und Körperpflege, Isadora Duncan gewidmet, um 1910

• Vorschlag für einen Hochhausring für München unter Einbeziehung bestehender Türme, 1925

• Vorschlag für die Verbreiterung des Siegestors und einen verbesserten nördlichen Abschluss der Ludwigstraße In München. 1925

• Vorschlag für die Umgestaltung des Königplatzes in München, 1925

• Vorschlag für eine permanente Ausstellung architektonischer Entwürfe, 1922

• „Architektur-Ästhetik“, Buchtitel 1918

• „Verirrungen und Merkwürdigkeiten im Bauen und Wohnen“, Buchtitel 1929

• „Das Haus fürs Wochenende“ ,Buchtitel 1927

• zahlreiche Schriften in dem Zeitschrift „Baukunst“, 1925
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Mittwoch, 5. november 2008 3 05 /11 /2008 20:20
Entwurf für das Kraftwerk Aufkirchen an der Isar, erste Hälfte der 20er Jahre.
Typenentwurf für Zweifamilien Doppelhäuser mit Richard Wolf um 1920
Typenentwurf für Stockwerkwohnungen mit Flachdach um 1920
Wohnhaus im Herzpark München 1923
„Straße der Republik“ für München zwischen Hauptbahnhof, Odeonsplatz und dem Vorort Milbertshofen.
Vorschlag von 1918
Projekt einer Schule für Tanz und Körperpflege, Isadora Duncan gewidmet um 1910
Vorschlag- Hochhausring für München unter Einbeziehung bestehender Türme, 1925
Vorschlag- Verbreiterung des Siegestors für einen verbesserten nördlichen Abschluss der Ludwigstr. In München. 1925
„Architektur-Ästhetik“, Buchtitel 1918.
„Verirrungen und Merkwürdigkeiten im Bauen und Wohnen“, Buchtitel 1929.
„Das Haus fürs Wochenende“ ,Buchtitel 1927.
Baukunst-Zeitschrift
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Freitag, 7. november 2008 5 07 /11 /2008 20:18

Vor 1933

In der Weimarer Republik,
der Entstehungsphase des Atlantropa-Gedankens fand Herman Sörgel schnell eine Breite Akzeptanz seiner Idee in der Öffentlichkeit gestützt von der Weltwirtschaftskrise, die die Bevölkerung natürlich gerne an ein derartig visionäres Konzept glauben machen lies.

Selbst moderne Architekten wie z.B. Peter Behrens ließen sich von der Idee anstecken und lieferten Beiträge die die Realisierbarkeit untermauern sollten.

1933 bis 1945

Nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten in Deutschland schien zunächst der politische Nährboden für Großprojekte wie Sörgels Atlantropa-Plan wie geschaffen. Vor diesem Hintergrund knüpfte Herman Sörgel Kontakte, fertigte Pläne und Modelle, nur um dann festzustellen, daß die politischen Intentionen der neuen Machthaber sich nicht mit seinen Visionen übereinbringen ließen.

Zudem waren die Expansionsziele der Nazis eher nach Osten denn nach Süden gerichtet und der pazifistische Ansatz Sörgels, ein geeintes Europa mit Afrika zu einem neuen Kontinent zu formen hatte dann während des zweiten Weltkrieges ein Publikationsverbot zur Folge.

Nach 1945

Das gebeutelte Europa
nach dem Zweiten Weltkrieg, schien für Herman Sörgels Lebenswerk erneut ideale Bedingungen zu liefern, was die schon 20 Jahre alte Planung wieder an Aktualität gewinnen ließ. Allerdings wurde in den Jahren des Wiederaufbaus immer deutlicher, daß die mittlerweile weiterentwickelte Atomenergie sich gegen die doch recht aufwändige Wasserkraft, die das Herzstück des Atlantropa-Konzeptes darstellte, durchsetzen sollte.

Damit war das Schicksal Herman Sörgels Traum wohl endgültig besiegelt, was ihn aber nicht davon abhalten konnte, ihn bis zu seinem Lebensende 1952 weiterzuverfolgen.

von Zeus - veröffentlicht in: Die Politik um Atlantropa - Community: Das vergessene Europa
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Sonntag, 9. november 2008 7 09 /11 /2008 23:59

Energie

Das Energiekonzept
der Atlantropa-Planung geht natürlich von den Erkenntnissen damaliger Zeit aus, da durch die fortschreitende Industrialisierung und Mobilisierung der Gesellschaft der Energiebedarf der Industrienationen - hier natürlich in erster Linie Europas - durch ein enormes Wachstum gekennzeichnet war. Demgegenüber standen aber zu diesem Zeitpunkt nur verhältnismäßig ineffiziente Verfahren der Energiegewinnung - welche zudem meist von erschöpflichen Rohstoffen abhängig waren - wovon den geistigen Vätern Atlantropas die durch Wasserkraft zu gewinnende Energie noch die praktikabelste weil unerschöpfliche zu sein schien.

Hierauf baut also der Ansatz auf, das Mittelmeer durch Absenkung als langfristigen Motor des neuen Kontinents mittels mehrerer gigantischer Staudämme und Wasserkraftwerke zur zentralen Antriebseinheit des Fortschritts auszubauen.

Bildergalerie Konzepte

Die Kraftschienen Atlantropas

Bewässerung Afrikas, neue Wasserfächen dunkel dargestellt

Güteraustausch zwischen Nord und Süd

Neulandgewinnung am Mittelmeer

Die Wasserkraft als Perpetuum mobile Europas

Das Gleichgewicht der 3 grossen "A"

Durch die Umverteilung der Wassermassen, wodurch auch der Afrikanische Kontinent für die übervölkerten Europäischen Staaten nutzbar gemacht werden sollte, war die Entstehung eines neuen "Kongomeeres" der zweite geplante Generator dauerhafter Energien, welcher durch ein atlantropaweites Netzwerk mit den übrigen Energiequellen zu einem Gesamtnetzwerk zusammengeschlossen werden und eine flächendeckende Energieversorgung für den neuen Kontinent gewährleisten sollte.

Synergie

Der anvisierte Synergieeffekt,
der durch die Realisierung des Atlantropa-projektes eintreten sollte stellt sich folgendermaßen dar:

Afrika mit seinen üppigen Vorkommen an teils sogar noch völlig unerschlossenen Rohstoffen kann durch den Zusammenschluss mit Europa zu einer Einheit, den Nachschub an Rohmaterial für die Produktionsstätten im Herzen Europas sicherstellen und gleichzeitig dient das neu gewonnene Areal als Absatzmarkt für die entstehenden Endprodukte. Woraus sich eine mehr oder minder vollständige Autarkie gegenüber der restlichen Welt realisieren lassen sollte.

Durch die klimatischen Eingriffe wird der afrikanische Kontinent zudem für Europäer bewohnbar gemacht, was die gerade in den letzten Jahrhunderten sich zuspitzenden Bevölkerungsdichten in den europäischen Industrienationen dauerhaft entschärfen sollte. Der Afrikaner hingegen sollte durch die europäische Zuwendung und den Zuzug europäischer Bürger insofern profitieren, dass das Land nicht nur aus klimatischer sondern auch aus zivilisatorischer Sicht an die kultivierte Gesellschaft angegliedert werde.

Klima

Die Rechtfertigung
für den immensen klimatischen Eingriff in seiner Planung sucht Herman Sörgel in der geschichtlichen Entwicklung der Kontinentalkonstellation. Mit der teilweisen Trockenlegung des Mittelmeers und der Befruchtung Zentralafrikas durch Umverteilung des Wasserhaushaltes soll eine tendenzielle Rückkehr zu ursprünglichen Verhältnissen von vor 50.000 Jahren geschaffen werden, wo Afrika und Europa noch nicht durch das Mittelmeer voneinander getrennt waren. Diese "Wiedervereinigung" sollte schließlich den neuen Kontinent Atlantropa schaffen, der gleichwertig mit Amerika und Asien, den 3 großen A ein weltpolitisches Gleichgewicht herstellen sollte.

"[...] denn nur dort, wo Bewässerung, natürliche oder künstliche, die Erde fruchtbar macht und eine gewisse Höherlegung der Kulturbedürfnisse und Kulturmöglichkeiten mit sich bringt, kann jene Verbindung von Mensch und Boden eintreten, die zur Staatenbildung führt."
(Zitat: Edmund Schopen, "Weltentscheidung am Mittelmeer")

Gleicht man derartige klimatische Umwälzungen mit den Erkenntnissen heutiger Meteorologie ab, wo das Zusammenspiel unzähliger Faktoren, wie die großen Meeresströmungen, der Regenwald, die Verdunstung und der Niederschlag wie ein Uhrwerk ineinander greift, läßt sich nur erahnen, welche langfristigen globalen Auswirkungen dieses Projekt nach sich gezogen hätte.

von Zeus - veröffentlicht in: Konzepte - Community: Das vergessene Europa
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Sonntag, 16. november 2008 7 16 /11 /2008 21:28

Im Jahr 1927 begann Herman Sörgel sich intensiv mit dem Mittelmeer zu beschäftigen, dessen komplizierter Wasserhaushalt ihn faszinierte.

Nachdem er im Jahr 1926 das Buch Outline of History von Herbert George Wells gelesen hatte, in dem dieser schrieb, dass es vor rund 50.000 Jahren in der Eiszeit kein Mittelmeer gegeben habe und dass das Becken des Mittelmeers und das des Meers große Täler waren, die an ihren tiefsten Stellen möglicherweise eine Sennkette aufwiesen, wollte er ein gigantisches Projekt angehen. Dazu stelle er sich vor, dass eine Gebirgsschranke bei Gibraltar die Wassermassen des Atlantiks zurückgehalten haben könnte, bis sie unter dem Druck des eiszeitlichen Schmelzwassers zusammengebrochen ist und dass dadurch das Mittelmeerbecken bis zur heutigen Küstenlinie überflutet wurde.

Absenkungsvorgang. Zeichnung von Hans Döllgast an der TU- Münchnen 1930

Das Mittelmeer ist im Gegensatz zum Atlantik wenig bewegt, liegt in einer wärmeren Klimazone und hat als Verdunstungsmeer Ähnlichkeit mit einem stetig dampfenden Becken. Um das Verdunstungsmeer auszugleichen, genügen weder die jährlichen Niederscläge durch Regen noch der vergleichsweise spärliche Wasserzufluss aus dem Schwarzen Meer und den großen Flüssen wie dem Po, der Rhone und dem Nil. Der Wasserspiegel des Mittelmeers bleibt immer konstant, weil durch die Meerenge von Gibraltar das Wasser vom Atlantik in unbegrenzter Menge nachfließt. Als Sörgel seine ersten Gedanken für die Absenkung des Mittelmeers entwickelt hatte, erschien Ende 1927 das Buch Die Straße von Gibraltar von Otto Jenssen mit präzisen ozeanographischen Daten:

In jeder Sekunde fließen 88,000 Kubikmeter Wasser, das zwölffache Volumen der Niagarafälle aus dem Atlantik ins Mittelmeer mit einer westlichen Strömung. Ein kaum merkliches Gefälle, das sich von Gibraltar bis zum Nildelta ersteckt, sorgt für den Abfluß des Wassers bis zum Verdunstungsschwerpunkt, welcher zwischen Zypern und Ägypten liegt.

In seinem Buch stellte Otto Jenssen fest, das das Mittelmeer nur als Glide des Ozeans lebensfähig ist und dass die Strasse von Gibraltar die Ader ist, welche ihm beständig Nahrung und neues Blut aus der Lebensquelle “Atlantik” zuführt. Würde man diese Verbindung zerbrechen, so das Mittelmeer absterben - schon eine vorübergehende Schließung der Strasse von Gibraltar wäre ausreichend, um die Natur des gesamten Mittelmeerraums zu verändern.

Herman Sörgel war nach allen diesen Informationen bereit, seine eigenen Ideen nochmals hinsichtlich der Absenkungsidee des Mittelmeers zu überarbeiten. Er dachte dabei in diesem Zusammenhang an einen zweistufigen Prozess. Die erste Stufe war der Bau des Gibraltardammes zum Westen hin mit einer Breite von 14 Kilometern und einer Meerengentiefe von 300 Metern, Ein am Damm aufgestelltes riesiges Wasserkraftwerk würde eine ungeheure Menge Energie produzieren und wäre gleichzeitig das weltweit größte Kraftwerk. Die zweite Stufe war einer Sperre zwischen dem östlichen Mittelmeer und dem Schwarzen Meer, um es zu schließen.

Das Mittelmeer nach der Absenkung. Nach Visualsierung an der TU-Darmstadt 2004


Dafür plante er einen zweiten Staudamm an den Dardanellen, der im Vergleich zu Gibraltar mit geringerem Aufwand herzustellen war. Bei Sperrung aller Zuflüsse, die als letzte Stufe zu betrachten war, würde der Wasserspiegel um 165 Zentimeter in jedem Jahr sinken. Dies würde für jeden Anrainerstaat des Mitttelmeers je nach Lage  eine unterschiedliche Absenkung des Meeresspiegels bedeuten. Die Absenkung würde sich anschließend auf Grund der Verdunstung von selbst fortsetzen.

Die Konsequenz aus der Verwirklichung von “Atlantropa” wäre gewesen, dass sich die Küsten ohne Ausnahme verschoben hätten, außer denjenigen, welche an steil abfallenden Ufern angesiedelt sind. Der größte Teil der flachen Adria und Ägäis wären verschwunden und im Endeffekt wären viele Inselgruppen zusammengewachsen wie z.B. Malta Mit Sizilien und Mallorca mit Menorca, während andere Inseln sich teilweise dem Festland genähert hätten, wie z.B. Djerba, Elba und Zypern.

Weiter wäre eine gigantische Landgewinnung von nicht weniger als 567,000 Quadratkilometer entstanden. Diese zusätzliche Fläche hätte zur Urbarmachung und Nutzung eingesetzt werden können und zwar um den realen Hunger genauso wie den Landhunger der europäischen Völker zu stillen. Darüberhinaus hätte eine riesige Energiemasse aus den geplanten Wasserkraftwerken gewonnen werden können. Die Ausrechnungen wurden auf maximal 110,000 Megawatt betziffert, wovon 49,000 Megawatt auf Gibraltar entfallen. Im Vergleich zu allen deutschen Kraftwerken des Jahres 1927 wäre dies viereinhalbmal mehr Energie gewesen oder 120% der Leistung aller deutschen Elektrizitätwerke im Jahr 1992. Herman Sörgel selbst ging davon, dass diese Gesamtenergie für eine dauerhafte Strombedarfsdeckung aller europäischen Länder ausreichen würde.

Mittelmeer-Werke. Zeichnung: Meisterklasse Hans Döllgast an der Technischen Hochschule München.

von Zeus - veröffentlicht in: Mittelmeerabsenkung - Community: Das vergessene Europa
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