Freitag, 31. oktober 2008
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Herman Sörgel war ein deutscher Architekt des Expressionismus (Bauhaus) und Kulturphilosoph, der sich mit Raumtheorie und geopolitischen Fragestellungen beschäftigte.
Herman Sörgel
Sörgel stammte aus einer technisch hochbegabten Familie. Sein Vater war ein Pionier auf dem Gebiet des Baues von wasserbetriebenen Elektrizitätskraftwerken in Bayern.
Herman Sörgel wurde durch ein monumentales Staudamm-Projekt „Atlantropa“ für die Straße von Gibraltar bekannt, welches er ab 1928 bearbeitete und 1932 in einem Buch mit gleichlautendem Titel
vorstellte. Sörgel vertrat die geopolitisch gestützte Ansicht, dass sich in Zukunft drei wirtschaftspolitische Machtblöcke bilden würden: Amerika, Europa und Asien. Afrika werde aufgrund seiner
zivilisatorischen Rückständigkeit technologisch abgekoppelt und nur als Rohstofflieferant von Bedeutung sein - es sei denn, Europa ginge nachhaltige Bindungen mit Afrika ein. Ebenso erkannte er,
dass Kohle und Erdöl in absehbarer Zeit aufgrund der Verknappung fossiler Ressourcen immer teurer würden. Als möglichen Ausweg propagierte er eine Verwertung des riesigen Energiepotentials von
Wasserkraft im Mittelmeer durch einen Staudamm. Durch die teilweise Trockenlegung des Mittelmeers sollte wertvolles Neuland gewonnen werden. Die in mühevoller Kleinarbeit, über Generationen
geleistete Neulandgewinnung der Holländer an der Nordsee sollte nunmehr im großen Stil im Mittelmeerraum wiederholt werden; im Endstadium sollte aus Europa und Afrika der neue Kontinent
"Atlantropa" entstehen. Sörgel war ein überzeugter Pazifist, der die Schaffenskraft der europäischen Völker in das kolonisatorische Mega-Projekt "Atlantropa" bündeln wollte. Das gescheiterte
politische Ziel Napoleons I., durch großangelegte gesamteuropäische Kolonisationsprojekte - vor allem in Osteuropa - die europäischen Nationen zu einer kriegsfreien Europäischen Union
zusammenzuschweißen, sollte durch "Atlantropa" Wirklichkeit werden.
Herman Sörgel war als Regierungsbaumeister tätig und lebte vermutlich zeitlebens im Raum München. Er starb 1952 an den Folgen eines Fahrradunfalls, bei dem er auf dem Weg zu einem Vortrag in der
Münchner Prinzregentenstraße von einem Auto angefahren wurde. Nach seinem Tod wurde das Projekt "Atlantropa" nicht weiter verfolgt und aufgrund der potentiellen Gefahren und absehbar negativen
Folgen ad acta gelegt. Spätere geopolitische Arbeiten Sörgels (Projekt Kongo/Tschadsee als Ergänzung zu Atlantropa) sind, ebenso wie die Archive des von ihm gegründeten und 1960 geschlossenen
Atlantropa-Instituts, möglicherweise verlorengegangen.
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